Hallo Musikfreunde,

hiermit geben wir bekannt, dass wir unseren Dienst als Eventfotografen mit sofortiger Wirkung einstellen. Der Grund ist ganz einfach: Es macht uns keinen Spaß mehr.

Veranstalter, die gestern noch froh über unseren Service waren, behandeln uns heute nicht selten wie Bittsteller. Es wird immer schwieriger akkreditiert zu werden.
Nicht selten wird man aufgefordert, für sein Angebot an den Veranstalter Eintritt zu bezahlen.
Es ist kaum zu glauben, aber wir haben dafür sogar großes Verständnis. Es gibt sooo viele Anfragen von Fotografen, und da muss man einfach selektieren und dies nach Möglichkeit mit eigenen Interessen verbinden. Ein völlig normaler Vorgang.

Künstler schreiben uns immer öfter vor, in welchem Bühnenabschnitt wir uns aufzuhalten haben. Wir dürfen eh meistens nur "die ersten drei Lieder" fotografieren. Danch können wir bestenfalls nur noch beobachten, wie Konzertbesucher mit Ihren Smartphones dauerhaft filmen und fotografieren.
Hierfür haben wir kein Verständnis. Wir Fotografen werden immer nur so lange gebraucht, bis das man "es geschafft" hat. Danach behandelt man uns bestenfalls nur noch als "notwendiges Übel" oder störenden Faktor.

Fans, die gestern noch froh waren "Ihre Band" in den Medien wiederzufinden, drohen uns heute vor der Bühne beim Fotografieren immer öfter "Prügel" an. Es wird wohl daran liegen, dass immer mehr Fotografen nicht erkennen, dass man den Event-Besuchern nicht dauerhaft vor der Nase stehen darf: Aber da sind wir wieder beim Punkt 1: Selektiert wird vom Veranstalter.
Es sind aber auch bei den Fotografen immer mehr Chaoten am Start. Ich habe auf einem Festival erleben müssen, wie ein "Knipser" auf(!) der Bühne stand und dem Schlagzeuger seine Kamera mit Blitz(!) vor das Gesicht hielt. Danach hat er auf der Bühne stehend noch das entstandene Foto kontrolliert. Hier hätte ich auch Prügel verteilen können...
Dieser Veranstalter hat mich nicht mehr akkreditiert mit der Begründung, dass sich "Bessere" gemeldet haben. Das will ich ihm gerne glauben, es gibt immer "Bessere" und das ist auch gut so.
Nur hoffe ich für Ihn, dass er nicht diesen Hampelmann meinte.

Unsere Situation sieht wie folgt aus:
Wir kommen zu einem Event mit einer Ausrüstung im Werte von ca. 10.000 EUR. Wir tragen die Kosten für Anfahrt, übernachtung und Verpflegung. Auf dem Event haben wir manchmal nur 10 Minuten Zeit um aussagefähige Fotos zu machen. 
Wenige Stunden nach einem Event posten wir erste Bilder in die sozialen Netzwerke und auf div. Homepages. Wir bearbeiten das erarbeitete Material am Rechner und stellen dieses per FTP-Server dem Veranstalter zum Download kostenlos bereit.
Auf Wunsch fertigen wir auch Foto-DVDs an und schicken diese auf unsere Kosten dem Veranstalter oder den Bands per Post zu.
Veranstalter können so unsere Arbeit kostenlos für Ihre Werbung einsetzen. Künstler können unsere Fotos kostenlos für Ihre CD-Cover, DVD-Cover oder FlyerAutogrammkarten etc. nutzen. Ein Anruf oder eine Email hat immer genügt.

Und warum machen wir dass?
Ja, Hmmm es fing irgenwann mal damit an, dass es uns echt Spaß gemacht hat zum Gelingen einer Veranstaltung beizutragen. Dazu gehört natürlich die Berichterstattung. Vor und nach dem Event. Bloß dieser Spaß ist mittlerweile auf der Strecke geblieben.
Zu oft werden wir heute wie ein überflüssiger Kropf angesehen und genau so behandelt. Vom Undank mal ganz abgesehen...
Das ist kein "Rundumschlag" an die Fans oder Veranstalter etc. sondern lediglich eine zugegeben recht konsequente Reaktion auf veränderte Situationen in der Eventfotografie. Es gibt immer mehr "Fotgrafen" und immer mehr "Vitamin B-Verhältnisse". Und es gibt natürlich nach wie vor fantastische Fotografen von denen auch wir ständig lernen können.
Nur gibt es auch immer mehr "Knipser", die mit einer Automatikeinstellung mal schauen, was so passiert ist nachdem sie den Auslöser gedrückt hatten. Alle werden "in einen Topf geworfen".

Wir für uns haben festgestellt, dass wir ziemlich bekloppt sein müssen, weiterhin den Deppendienst in diesem Event-Getriebe auszuführen. Wir werden nichts mehr zum Gelingen einer Veranstaltung beitragen sondern Konzerte und Festivals nur noch als Besucher genießen bzw. konsumieren.
Nach einem Event legen wir uns in unsere Hängematte und warten ab, ob man uns online oder in Printmedien mit einer guten Berichterstattung für eine Folgeveranstaltung als zahlende Gäste gewinnen möchte. Wir können nach einem Event chillen, abwarten und gelangweilt durch die sozialen Netzwerke surfen.
Heureka, das wird ein Spaß :-)

Und wenn es uns doch mal wieder in den Händen kribbelt legen wir wieder los, aber:
Don´t call us. We call you.

Beste Grüße
Jutta & Ralf
"art of peace"